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ZDF-WISO und VCD imitieren AMSgate

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… oder wie unsaubere Berichterstattung erneut ein Bild contra Elektromobilität entstehen läßt.

Aktuell hat WISO in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) „Das beste Pendlerauto“ ermittelt und Benziner-, Diesel-, Erdgas- und Elektroauto miteinander verglichen. Der Bericht erinnert unwillkürlich an die Arbeitsweise der „auto motor und sport“ vor einigen Monaten und verweist den Elektroantrieb als Schlusslicht auf Platz 4. Wie es dazu kommen kann – hier ein Erklärungsversuch.

Vorab der Bericht zum Anschauen in der ZDF Mediathek (5:11 Min.):

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VCD / WISO vs. ams: Wer kann schlechter den Verbrauch rechnen?

Der Journalist Sven-Hendrik Hahn nutzt nach eigenen Angaben alle vier Golf-Fahrzeuge selbst als Pendler und sammelt seine Erfahrungen damit. So weit, so gut. Wie wird der Verbrauch berechnet? „Da schauen wir doch mal bei der ams ab… – Dieselbe (lange) Strecke fahren und nachtanken bzw. laden kann ja jeder, deshalb nutzen wir doch lieber die theoretischen NEFZ-Daten der Fahrzeuge“, so müssen VCD und WISO sich gemeinsam ausgedacht haben. Denn in der kurz eingeblendeten Excel-Tabelle der Berechnung findet sich dies:

VCD-WISO-Excel-VergleichstabelleWenn man genau hinschaut, dann stehen in Spalte C die NEFZ-Normverbrauchsangaben der Fahrzeuge, die mit dem aktuellen Tankpreis multipliziert in Spalte E auf 4 Jahre (= 60.000 km) hochgerechnet werden. Also beim E-Auto 12,7 kWh / 100 km * 0,28 EUR/kWh * 15.000 km * 4 Jahre = 2.134 EUR / 4 Jahre. In Spalte F sagt man dann, NEFZ-Werte sind doch Quatsch, rechnen wir pauschal 30% drauf, also werden es 2.774 EUR Verbrauchskosten.

Statt also tatsächlich Verbrauchswerte zu ermitteln wird ein theoretisch statistisches Verfahren aufgesetzt, das wahrscheinlich in keinster Weise das tatsächliche Fahrprofil des Musterpendler-Journalisten abbilden kann. Denn nach eigener Aussage von Sven-Hendrik Hahn „sinkt [beim VW e-Golf] der [Restreichweiten]-Wert bei schneller Fahrt auf der Autobahn rapide ab“. Wie weit die Pendelstrecke tatsächlich ist, welches Geschwindigkeitsprofil zu Grunde liegt, bleibt aber leider das Geheimnis des Autors. Immerhin 45 Minuten soll die Fahrt dauern.

Und wie ermitteln sich die abschließenden Kosten pro km?

Jetzt wird es besonders abenteuerlich. Leider sind nicht alle Zahlen offen gelegt, so dass ein Teil Spekulation verbleibt. Immerhin lassen sich viele Daten und Berechnungen dem ZDF-WISO Web-Artikel des Fernsehberichtes entnehmen.

vcd-wiso-ergebnisvergleich-km

0,51 EUR / km sollen die Kosten für den e-Golf betragen, berechnet auf einen Nutzungszeitraum von 4 Jahren. Rechnen wir also nach:

0,51 EUR/km * 15.000 km/Jahr * 4 Jahre = 30.600 EUR / 4 Jahre.

Von diesen Gesamtkosten entfallen auf
– Versicherung SF11 (VK500/TK150) in Hannover (per HDI-Online-Tool kalkuliert) 580 EUR/Jahr oder gut gerundet 2.400 EUR / 4 Jahre
– Wartungskosten beim Elektroauto, eher sehr niedrig, dennoch angesetzt mit 250 EUR/Jahr oder 1.000 EUR / 4 Jahre
– Für einen Reifensatz rechnen wir mal 600 EUR / 4 Jahre
– Für Pflege und Wäsche 400 EUR / 4 Jahre
– Kfz-Steuern fallen nicht an, also 0 EUR / 4 Jahre.
– Verbrauchskosten wie oben ermittelt 2.774 EUR / 4 Jahre.

Demnach hat der e-Golf mit 35.000 EUR Anschaffungspreis einen kalkulierten Wertverlust von
30.600 EUR – 2.400 EUR – 1.000 EUR – 600 EUR – 400 EUR – 2.774 EUR = 23.476 EUR, das entspricht rund 67% des Fahrzeugwertes.

Ein nur 4 Jahre altes Elektroauto mit einem voraussichtlichen Akku-SOC von 90-92% (2% p.a. Verlust), also einem Akkusatz, der gesamt 8 Jahre Garantie von VW genießt (und vermutlich deutlich mehr als 10 Jahre hält), mit intakter Karosserie wird vom VCD mit einem Wert von nur noch 11.500 EUR (33%) angesetzt. Ein jetzt 4 Jahre alter Benziner-Automatik-Golf wird hingegen in den Gebrauchtwagen-Börsen aktuell zwischen 14.000 und 16.000 EUR angeboten. Auf Grundlage des von WISO ermittelten Neupreises von 24.800 EUR für den Verbrenner somit ein Restwert zwischen 56 und 64%.

Gegenrechnung: nur mal angenommen, der Gebrauchtpreis des VW e-Golf läge nach 4 Jahren auch bei 15.000 EUR und damit lediglich gleich auf zu den Verbrennern, dann sinken die Nutzungskosten um 3.500 EUR / 4 Jahre (15.000 – 11.500) oder umgerechnet 0,058 EUR / km und plötzlich wäre der Kostensatz pro km beim Elektro-Golf nur noch bei 45 Cent / km und damit schon auf Platz 2 der Liste auf Diesel-Niveau.

Was bleibt…

… ist ein schaler Beigeschmack, dass mal wieder die Medien leichtfertig andere rechnen lassen, nicht wirklich hinterfragen und schon gar nicht ihre Berechnungsgrundlagen dazu im TV-Bericht auch offen legen.

Da wird das Elektroauto schlecht geredet, obwohl auf der WISO-Webseite selbst schon steht: „Wie sich der Wert des Elektroautos in den nächsten Jahren entwickeln wird, ist dabei die größte Frage: Wird das Modell 2014 in kurzer Zeit veraltet sein oder ein Verkaufsschlager? Da gibt es noch keine Erfahrungsberichte, daher ist diese Schätzung besonders schwierig.

Warum wird dieser entscheidende Punkt dann im TV-Bericht nicht ebenso erwähnt? Wieso gibt es nicht nur die extrem pessimistische Berechnungsvariante, sondern vielleicht auch eine realistisch / optimistische Version?

Nachtrag

Ein Vergleich mit einem Elektroauto Nissan Leaf, eindeutig ebenfalls Golf-Klasse, führt zu noch deutlicheren Daten. 2011 für rund 37.000 EUR gekauft hat dieses erste Golfklasse-Serienfahrzeug in Deutschland nach drei Jahren einen Gebrauchtwert von im Schnitt 18.000 EUR (49%). Ein heute von Nissan Leasing finanzierter Leaf Acenta (Kaufpreis 32.690 EUR) wird nach 4 Jahren Laufzeit und 40.000 km mit einem Restwert von 16.520 EUR (50%) garantiert zurückgenommen. Alles weit jenseits der lediglich prognostizierten 33% Restwert des e-Golf im TV-Beitrag.

29.10./23:59 Uhr

Soeben hat die WISO-Redaktion bei Facebook auf meinen Beitrag reagiert. Danke dafür, dass man zur Kommunikation bereit ist.

Facebook-Wiso-2014-10-30-00_02

 

Kommentare (plattformübergreifend)

Das Brot des Künstlers ist der Applaus, das Brot des Bloggers ist (D)ein Kommentar. Und...? Wie war dieser Artikel?

 

22 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das übliche eben – meine eigene Rechnung für mich ergab, dass ich mit dem BMW i3+Polo gegenüber dem Passat Benziner (den ich verkauft habe) +Polo ca. 1000€ im Jahr einspare. Den Wertverlust habe ich hier aber weggelassen, da aktuell schwer kalkulierbar. Fakt ist aber zur zeit beim VW Passat einer höherer Wertverlust als beim i3 (im ersten Jahr).

  2. … besonders schade – dass damit generell alle EVs (in der oeffentl. Wahrnehmung) als zu TEUER hingestellt werden – auch wenn hier nur VIER GOLF Varianten gegeneinander antreten …

    … gab es nicht auch schon mal eine solche „Berechnung“ fuer ZOE vs. CLIO (Benzin/LPG/Diesel) ???

    ANSONSTEN DANKE FUER DIE MUEHE DAS MAL WIEDER ZU ZERLEGEN 😉

  3. Den WISO Bericht sehr schön nachgerechnet und entlarvt, vielen Dank dafür! So wird Meinung gemacht durch das TV und es braucht öffentlichkeitswirksame Klarstellungen.

    Ralf Wagner

  4. Danke für diese Recherche.
    Es gibt zwei Dinge im Leben, auf die ich keine Energie mehr verschwende:
    1. Web Casts meiner Amerikanisch/Deutschen Chefs
    2. Berichte des Mainstreams über E-Autos.
    Stattdessen setze ich mich in mein E-Auto und fahre einfach.
    Übrigens meine Bilanz
    12.000km Arbeitsweg/a
    seit 2007 => 1550€ Benzin/a eingetauscht gegen 144€ Strom/a

    • 144 euro stromkosten für 12.000 elektrische km? den anbieter wüsste ich gerne…
      nach meiner rechnung kriegst du bei 28ct/kwh für 144 euro gut 514 kwh, dass reicht bei 12 kwh/100km für gut 4000 km, also ein drittel…
      und sprit kaufst du auch zu teuer: 12.000km bei 5l/100km und 1,4 euro/liter gibt 840 euro sprit…und nicht das doppelte…;-)

      • Wiru, Du übersiehst schlichte Statistiken aus der Realität, nämlich z.B., dass mehr als die Hälfte aller aktuell fahrenden Autos in der Realität auf dem Arbeitsweg ca. 8-10 Liter auf 100km verbrauchen – Carsten’s Gefährt ist wahrscheinlich eins davon.

        Zudem übersiehst Du, dass man mit vielen Elektroautos kostenlos schnellladen kann, entweder an kostenlosen Schnellladestationen oder bei markeneigenen Stationen wie bei Tesla, Nissan, Kia.

  5. Den Verlauten nach steht jetzt schon fest, dass der Golf-e (plug-in) in Holland „Leaseauto des Jahres“ sein wird in 2015 (!). Es gibt jetzt schon sehr viele Bestellungen. Die Tarife sind günstig.
    Bei der Leaseunternehmen wird von Profis kalkuliert. Eine niedrigen Einschätzung der Restwert beeinflusst die Höhe der Leasingraten beträchtlich.
    Angeblich sind diese Profis in Holland auch positiv in dieser Hinsicht.

  6. Den Beitrag in der Mediathek angesehen und bei 1:43 abgebrochen. Preis Benziner: ca. 25k€. Preis Stromer: ca. 35k€.

    Bin zwar in Mathe nicht der Beste, aber um 10.000 Euro nur über den Verbrauch herein zu fahren, muss ich ganz schön radeln.

    Aber Hauptsache, über „Mainstream-Medien“ und #irgendwasgate #aufschrei hergezogen.

    Ich MAG E-Autos, sonst wäre ich nicht hier gelandet. Aber die Penetranz, mit der „Andersgläubige“ von Verkündern aus der E-Auto-Ecke angegangen werden, mag ich definitiv nicht.

    • Um 10.000 Euro einzufahren musst Du sicherlich nicht viel radeln, nur auf die Gesamthaltedauer des Autos (ca. 8 Jahre) kalkulieren, wie man es auch bei der Umrüstung auf LPG oder Erdgas macht.

      Und gerade für Pendler (und davon fahren zwei Drittel unter 10km pro Strecke) rechnet sich ein E-Golf deutlich schneller, wenn man die tatsächlichen Realverbräuche heranzieht, denn ein Benziner oder Diesel ist nach 5-10 km Strecke überhaupt erst warm gefahren – bis dahin sind Mehrverbräuche von 50-100% ggü. der Werksangabe normal.

      Wenn der von Dir erwähnte Benziner-Golf eines normalen Berufspendlers (s.o.) also in der Realität 8 Liter auf 100km verbraucht, macht das folgende Summe an Benzinkosten (1,55 Euro pro Liter) für 15.000 km pro Jahr:

      1.860,- Euro

      Wenn der E-Golf ca. 15 kwh pro 100km verbraucht und Du ihn komplett zuhause ohne Solaranlage auf dem Dach laden würdest (0,25 Euro/kwh), kostet er 560 Euro pro Jahr Strom. Das ist schon allein bei den Energiekosten

      ein Preisvorteil von 1.300,- Euro.

      Dazu kommen KFZ-Steuer- und Maut-Befreiung, geringere Wartungs- und Reparaturkosten, etc., etc. pp. .
      Die Mehrkosten des E-Golf amortisieren sich für einen normalen Berufspendler also alleine schon wegen der geringeren Energiekosten für Strom gegenüber Benzin über die Gesamthaltedauer. Dazu kommen etliche Kostenvorteile weil man weder Kupplungs-, noch Getriebe-, noch Turbolader- oder sonstige motorbezogene Schäden zu befürchten hat. Kein Ölwechsel, kein Luftfilter, usw., usw. . Faktisch amortisiert sich also schon heute der Kauf eines E-Golf weit vor Ende der Gesamthaltedauer. Und um das herauszufinden, muss man nur ehrlich mit Realitätswerten aus Arbeitswegen von der Mehrheit der Berufspendler rechnen und nicht so tun, als wenn alle Pendler täglich mit 100km/h im 6. Gang über 100km fahren würden – was noch nicht mal 5% aller Pendler ausmacht.

  7. Noch ein Nachtrag aus der Abteilung „wer im Glashaus..“:

    Aus obigem Beitrag:
    „Demnach hat der e-Golf mit 35.000 EUR Anschaffungspreis einen kalkulierten Wertverlust von
    30.600 EUR – 2.400 EUR – 1.000 EUR – 600 EUR – 400 EUR – 2.774 EUR = 23.476 EUR, das entspricht rund 67% des Fahrzeugwertes.“

    Hier werden Betriebskosten vom Anschaffungspreis abgezogen, mit dem Wertverlust hat das nichts zu tun. Äpfel, Birnen…

    Der Wertverlust bei E-Autos ist außerordentlich höher als bei Verbrennern, weil Gebrauchtkäufer das Risiko einer defekten Antriebs-Batterie scheuen. Einfacher Nachweis sind die Schwacke-Restwerte. Wertverlust eines konventionellen Smart nach drei Jahren ca. 50% des Kaufpreises, Wertverlust Smart electric drive nach selber Nutzungsdauer 69%.

    Missionarischer Eifer in allen Ehren, aber mit seriöser Recherche hat obiger Blog-Beitrag auch nicht viel zu tun.

    • E-Auto.TV

      Lieber Torsten,

      gerne hätte ich auch direkt per E-Mail geantwortet – geht aber nicht. 😉 So denn hier in der Hoffnung, dass Sie erneut vorbei schauen.

      Grundsätzlich will ich gar nicht missionarisch tätig werden, auch wenn es vielleicht so scheinen mag. Anders herum ist der Antrieb. Bisherige journalistische Artikel sind sehr oft inhaltlich fehlerhaft, weil das spezielle Fachwissen rund um Elektromobilität fehlt. Dafür habe ich in jedem Einzelfall absolutes Verständnis, nicht jedoch, dass dies dazu führt, dass falsche Dinge immer wieder neu aufgebrüht und nachgeplappert werden. Insbesondere die ams hat da bei Ihrem Reichweitentest vor einigen Monaten nachgewiesenermaßen viele Fehler begangen. Im Ergebnis wird immer wieder signalisiert: Elektromobilität ist heute überhaupt nicht vernünftig anwendbar, lasst die Finger davon. – Und das ist einfach längst nicht mehr richtig. Es gibt viele Anwendungsfälle, bei denen ein E-Auto sehr sinnvoll zu nutzen ist. Das vorweg geschickt zur Motivation dieses Blogs und des aktuellen Beitrages.

      Zu Ihrer Anmerkung: Meine Berechnung versucht zu ermitteln, mit welchem Wertverlust der VCD das Auto kalkuliert haben muss. Deshalb sind es nicht „Äpfel und Birnen“. Ich nehme die 0,51 EUR/km-Angabe als Grundlage für meine Nachkalkulation. Die ermittelten 30.600 EUR sind nicht die Anschaffungskosten, sondern die Gesamtkosten für 4 Jahre laut VCD. Aus diesen Kosten rechne ich nun alle Betriebskosten raus, die ich kenne oder mir vorstellen kann. Was dann übrig bleibt, sollte der kalkulierte Wertverlust sein, nämlich die 23.476 EUR. Diese setze ich dann ins Verhältnis zum Kaufpreis von 35.000 EUR.

      Zur grundsätzlichen Wertverlust-Einschätzung: Ihre Sichtweise ist aus aktuelleml Blick nachvollziehbar. Meine Restwert-Einschätzung (und inzwischen auch einiger Leasinggesellschaften und Flottenbetreiber) ist eine deutlich andere als es heute noch bei Schwacke stehen mag. VW gibt in diesem speziellen Beispiel 8 Jahre Garantie auf den Akku. Wieso sollte also nach 4 Jahren ein Defekt dort Auswirkungen auf den Restwert haben? Selbst nach 7,5 Jahren ist noch der Garantieaustausch voll gegeben. Gleichzeitig ist der gesamte Verschleiß des Fahrzeugs spürbar geringer. Die fehlender Verbrenner-Motorvibration führt zum Beispiel dazu, dass viele Bauteile weniger beansprucht werden und länger halten.

      Und aus Marktsicht: heute wenige Elektroautos treffen in einigen Jahren vermutlich auf eine eher größere Nachfrage, wenn diese journalistischen Bedenken nicht immer wieder gestreut werden, weil es andere Praxiserfahrungen dann schon über viele Jahre gibt. Das stabilisiert eher die Preise zusätzlich. Zusätzlich wird ein Akku-Austausch, so er denn wirklich erforderlich wird, von Jahr zu Jahr günstiger (siehe Akku-Preisentwicklung von 500 EUR/kWh in 2011 auf heute gut 200 EUR/kWh und Tesla mit angeblich aktuell 182 USD/kWh).

      Welche Argumente sind also noch übrig, die ein 4 Jahre altes Auto so niedrig bewerten?

      Vielen Dank auf jeden Fall für die kritischen Anmerkungen und die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema.

  8. @ Torsten
    Die Rechnung stimmt schon. Die Betriebskosten wurden von den Gesamtkosten basierend auf den 0,51 €/km abgezogen, und nicht von den Anschaffungskosten.
    Aber ich stimme dir zu, die Kosten sind insgesamt noch zu hoch, da müssen kurzfristig finanzielle Anreize geschaffen werden, damit sich das elektrische Fahren für den Pendler rechnet.

    @e-auto.tv
    Den Artikel finde ich gut, man muss sich kritisch mit solchen Beiträgen auseinander setzen, unabhängig von der letztlichen Aussage. Mir scheint, dass in diesem Fall möglichst schnell, einfach und billig ein Beitrag erstellt worden ist, ohne den Aufwand zu betreiben eigene Daten zu generieren. Da hätte man sich zumindest ein paar unabhängige Meinungen zu den Daten und Annahmen einholen können.

  9. e-auto vs. verbrenner….da sind alle kommentare sinnlos, weil das genauso ist wie apple vs microsoft. eine handvoll „jünger“ verteidigen mit missionarischem eifer unter missachtung jeglicher realität ihr jeweiliges produkt (ja, auch verbrenner-jünger!). fazit: jünger kann man nicht bekehren, für nicht-jünger ist halt das persönliche nutzerprofil entscheidend. wer wenig fährt (anschaffungspreis!) und davon viel langstrecke, kommt wohl derzeit nicht am verbrenner vorbei… für vielfahrer in kurzstrecken (insbesondere flotten-autos im stadtverkehr) ist e-car auch heute schon die wirtschaftlichere lösung. und dann dürfen wir nicht vergessen: wirtschaftlichkeit ist ja praktisch bei niemandem ein kauf-argument, sonst wäre bmw, audi, porsche und mercedes längst pleite…

  10. Der Knackpunkt ist der angenommene Wertverlust bei den einzelnen Fahrzeugen. Für die Autos mit Verbrennungsmotor liegen dazu genügend Erfahrungswerte vor. Bei den E-Autos eben noch nicht. Ich persönlich denke auch, dass der Restwert für den e-Golf eher zu niedrig angenommen wurde.
    Bei BMW und VW kalkuliert man mit einem Restwert von ca. 50% nach 3 Jahren für Leasing-Fahrzeuge. Wie es dann wirklich aussieht, werden wir erst sehen, wenn die ersten Leasing-Rückläufer auf dem Markt sind.
    Da ich seit ca. 3 Monaten einen e-Golf fahren darf (Firmenfahrzeug , geleast) bin ich von dem E-Antrieb mehr denn je überzeugt. Der Fahrkomfort und Fahrspaß rechtfertigt auch die Mehrkosten / km. Wenn dann noch der Fahrstrom von der eigenen PV-Anlage kommt, dann ist das die Ideale Lösung. Wer die Möglichkeit hat, sollte ein E-Auto fahren.
    Nicht erwähnt wurde übrigens die Tatsache, dass VW in den ersten drei Jahren für 30 Tage im Jahr ein Ersatzfahrzeug stellt (z.B. für Ausflüge oder Urlaubsfahrten). Und das ist mal ein richtiger Batzen Mehrwert, den man ruhig in die Berechnung mit einfließen lassen könnte. Dann sieht das Ganze schon besser aus für den e-Golf.

  11. Das Thema Batterie-Garantie ist tatsächlich wichtig und wirkt sich auch entsprechend auf die Restwertentwicklung aus. Dennoch bleiben auch bei längeren Garantiezeiten als bei Smart die Restwertentwicklungen von Stromern auf absehbare Zeit schlechter als bei Verbrennern. Ich beziehe mich dabei aus einer Schwacke-Info aus dem letzten Jahr, bei der es um eine Prognose, nicht um den aktuellen Restwert geht. Nach diesen recht exakten Prognosen beurteilen auch Fuhrpark-Manager die anfallenden Kosten.

    Hier ist ein etwas älterer Beitrag zum Thema, den ich auf die Schnelle gefunden habe, die Daten haben sich aktuell nicht wesentlich geändert:

    http://www.autohaus.de/nachrichten/technologie-restwerte-von-gebrauchten-elektroautos-1308785.html

    Aus dem Beitrag geht auch hervor, dass der Wertverlust von Neuwagen der mit Abstand größte Kostenfaktor während der Haltedauer ist.

    Jedoch wäre selbst bei einer identischen Restwertentwicklung ein Stromer wegen des höheren Anschaffungspreises in absoluten Zahlen immer im Nachteil. Solange es in Sachen Batteriekosten keinen Durchbruch gibt, kann nur eine massive Subventionierung der Stromer bzw. eine massive Besteuerung der Verbrenner (siehe Norwegen) hieran etwas ändern, solange man das Thema rational vom Kostenfaktor her angeht.

    Deshalb kann ich an dem TV-Beitrag inhaltlich nichts aussetzen, auch wenn die Beispielrechnung vielleicht etwas laienhaft durchgeführt wurde. Die Reihenfolge in Sachen Kosten/km würde sich m.M.n auch bei einer präzisen Berechnung anhand exakter Verbrauchsdaten nicht ändern.

    Insbesondere stört mich aber (und dies war auch der Grund, diesen Beitrag überhaupt zu kommentieren) die inzwischen im Web weitverbreitete reflexhafte Behauptung, ein Medien-Beitrag sei Teil einer Kampagne, nur weil dieser der persönlichen Meinung/Anschauung widerspricht – siehe auch wieder in Ihrem Kommentar „wenn diese journalistischen Bedenken nicht immer wieder gestreut werden“. Wer ganz pragmatisch und nüchtern rechnet, und das tuen Berufspendler mit langen Fahrtwegen eigentlich immer, benötigt nicht lange für die Erkenntnis, dass ein reiner Stromer sich momentan eben nicht amortisiert, selbst wenn der Betriebsstrom per Solar oder dergleichen selbst erzeugt wird. Es liegt also sicher nicht daran, dass die „Systemmedien“ einen Feldzug gegen E-Autos führen, sondern an schlichten betriebswirtschaftlichen Tatsachen, wenn sich nach wie vor so wenige Menschen für ein E-Auto entscheiden.

    Meiner Meinung nach kann man Stromer derzeit in erster Linie emotional bewerben und begründen, ein Weg, den auch Tesla mit den ja ganz und gar nicht günstigen Modellen geht. Denn Spaß macht mir mein (Teilzeit)Stromer auch, aus den bekannten Gründen, weshalb sich Menschen für dieses Konzept entscheiden. Auf monetärer Basis wird jedoch unter den aktuellen Bedingungen nie ein Schuh daraus, außer wir führen norwegische Verhältnisse ein. Und das möchte ich eigentlich nicht.

    • Auf monetärer Basis wird gerade heute immer mehr ein Schuh draus – man muss nur offen für die Realität sein und den Taschenrechner rausholen. Wer sich als normaler Pendler heute für einen Diesel-Golf und gegen den E-Golf entscheidet, hat entweder Arbeitswege von über 50 Kilometern pro Strecke oder ist schlicht verblendet. Here’s why:

      Mehr als die Hälfte aller heute fahrender Pendler-PKWs verbrauchen auf dem täglichen Arbeitsweg faktisch 8-10 Liter auf 100km. Der Grund: Die Arbeitswege sind zu fast 2/3 unter 10km lang. Ein normaler Benziner, egal welcher Bauart, ist also erst warm, wenn man bei der Arbeit angekommen ist. Das führt in der Regel zu Mehrverbräuchen von 50-100% gegenüber dem NEFZ, d.h. ein Golf Benziner verbaucht keine 5 Liter, sondern 7-10 Liter. Bei einem Diesel ist der Mehrverbrauch auf diesen Arbeitswegen noch schlimmer. Und noch einmal: Es fahren 2/3 aller Pendler mit dem Auto und davon noch einmal 2/3 unter 10km.

      Wer nicht zwei dicke Verbrenner-Tomaten auf den Augen hat, sollte also mit Realwerten von Pendlern rechnen und nicht mit irgendwelchen Pauschalwerten. Ein elektrisch betriebener Golf verbraucht nämlich auf diesen bis zu 10 km Arbeitsweg NICHT 50-100% mehr Strom als normal, weil die Batterie eben nicht erst „warm werden“ muss. Es wird Zeit, wirkliche Praxistests zu machen und nicht auf solche Humbug-Vergleiche von WISO zu vertrauen.

  12. Bei allem Hin und Her: In der Berechnung fehlt schlicht und ergreifend die soziale Komponente, hier: die externen Kosten, die durch die Nutzung fossiler Treibstoffe entstehen und die wir alle (!) zusätzlich zu den anderen Kosten zu tragen haben, insb. die Generationen nach uns. Diese Kosten werden sozialisiert und gut ist. Aus dem Auge, aus dem Sinn. Der WISO-„Test“ hat diese Kosten komplett vernachlässigt, Benzin, Diesel und Erdgas wachsen einfach so an der Tankstelle und deren Nutzung ist mir keinerlei Auswirkungen verbunden. So einfach ist das. So einfach ist das aber eben nicht, denn die ganzen primären und sekundären Folgen kommen uns immer teurer zu stehen, je länger wir daran festhalten, weil es ja ach so „billig“ ist. Das erinnert fatal an die Nutzung der ach so umweltfreundlichen und vor allem so billigen Atomenergie. Nun, nix mit umweltfreundlich und vor allem nix mit billig. Alleine die Sanierung der Asse kostet den Steuerzahler Milliarden! Und das ist erst der Anfang: Endlagersuche, Bau und Betrieb, Abriss der KKWs usw. usw.
    WISO heißt „Wirtschaft und Soziales“ – den sozialen Aspekt hat der Red. einfach mal links liegen lassen – dafür sollten wir ihn schelten.

  13. Ich möchte mal gerne den Pendler sehen, der sich ein neues Auto kauf und dies dann im Alter von 4 Jahren verkauft. Diese Rechnung dürfte ehr etwas für Leasingfahrzeuge und Geschäftsautos sein. Das Durchschnittsalter aller PKWs liegt in Deutschland bei 8,8 Jahren. Wer fährt dann bloss die ganzen alten Kisten?

    Aber die ersten gebrauchten E-Fahrzeuge gibts ja auch schon zu kaufen. Vielleicht eine interessante Alternative?

    LG Marc

  14. man muss tatsächlich mehrere Seiten runterblättern und sich den ganzen Unsinn von, das gehört dazu, das aber nicht, von Wertverliusten und Bewertungen durchlesen, bis mal einer das richtige und eigentliche sagt.
    Julian ist der erste, der das wirkliche Problem anspricht. Der Schaden, den wir mit den Verbrennern auf dieser Welt anrichten, ist nicht bezifferbar. Es ist eine Schande für jedes mit Verstand ausgestattetes Lebewesen, dass wir offensichtlich nicht in der Lage sind, diese Gesamtrechnung aufzustellen. Benzin kommt nicht von alleine in die Zapfsäule wie auch Strom nicht von alleine in die Steckdose.
    Dass das Benzin- und damit auch das Fossilzeitalter begrenzt sein würde, wussten wir alle und egal wie teuer es werden sollte, je früher es endet, desto besser und desto billiger.
    Elektrisch zu fahren ist in jedem Fall billiger, da es keinen Rohstoff verbraucht, sondern mit dem einzigen unendlichen Rohstoff, der Sonnenenergie, betrieben wird. Öl ist übrigens der seltenste Stoff im uns bekannten Universum. Dass wir ihn einfach nur verbrennen, zeigt schon ganz klar unsere egoistische Einfalt und wird ständig mit selbst produzierten Sachzwängen wie Kosten entschuldigt.
    Die dicke Rechnung kommt noch wie bei der Atomenergie.
    Euer Starkstrompilot

  15. Es sollte bei dem WISO Beitrag eigentlich um Pendlerfahrzeuge gehen. Die lange Ladezeit wurde in meinen Augen recht negativ dargestellt. Dabei dauert es nur ein paar Sekunden abends den Stecker wieder einzustecken. Morgens hat man die volle Reichweite und sollte für 2 mal 45 Minuten reichen. Insgesamt kann ich trotzdem nicht verstehen, weshalb so ein e-Golf 35T€ kosten muss. Immerhin fehlen ein Benzin Motor, Getriebe, Auspuffanlage, Kat, Benzintank, Anlasser, Lichtmaschine, u.v.m. Wenn man die ganzen fehlenden Teile gegen den mickrigen Akku und den Emotor gegen rechnet, müsste der E-Golf in der gleichen Preisregion wie der Benzingolf angesiedelt sein.

  16. Hallo zusammen,

    ich bin Pendler und habe täglich 64km Arbeitsweg (Hin- und zurück). Bisher bin ich Diesel gefahren, seit 5 Tagen habe ich einen e-Golf. Der Preisunterschied Golf 7 Diesel 2,0 TDI gegen e-Golf ist ca. 3000€. So wie ich beide Autos bestellt habe. Dabei bekomme ich beim e-Golf kein Panoramadach und beim Diesel habe ich noch keine LED-Scheinwerfer bestellen können. Auch hat der e-Golf das wesentlich teurere Navisystem und eine elektische Frontscheibenheizung. Es hilft nichts, eine Preisliste zu nehmen und die Basisausstattung zu vergleichen. Man muss schon einigermassen gleich ausgestattete Fahrzeuge vergleichen.
    Zum Verbrauch, meine 3 letzten Diesel haben alle ca. 6l/100km verbraucht. Was der e-Golf tatsächlich verbraucht, kann ich erst sagen, wenn ich das Fahren damit besser gelernt habe. Aber heute morgen habe ich den Normverbrauch deutlich unterschritten, im Stau. Da hat der Diesel immer mehr als normal verbraucht.

    Ich meine, man müsste viel mehr Leute in ein E-Auto stecken und sie probieren lassen. Dann kommt das Umdenken schnell.

    Euer e-Golfer

  17. Nur mal so dahingefragt: Welchen Wert hat denn die gewonnene „Ruhe“ beim entspannten EV-Fahren?

    Immer wieder Artikel über Unfälle durch gestresste und/oder hektische Autofahrer(innen).

    Ich bin überzeugter Diesel-Fahrer, weil so ein Auto einfach gemütlicher durch den Verkehr zu navigieren ist und weil er, wenn ich vom Gas gehe, besser verzögert, als ein Benziner.

    20 km Probefahrt mit einem Leaf und ich hatte im Anschluss daran Probleme mit meinem Diesel (warum bremst der nicht mehr, wenn ich vom Gas gehe?)

    EVs erziehen zum ausgeglichenen Fahren, habe ich mal in einem SZ.-Artikel gelesen. Wäre doch toll, wenn auch anerkannt würde, dass EVs Milliarden an Verkehrsschildern, Verkehrs-Sicherungsmassnahmen etc. und vor allem Verkehrs-Erziehungsmaßnahmen einsparen (könnten).

    Es ist schwer bezifferbar, zugegeben, aber es ist auch irgendwie Fakt.

    Nun denn – mein Diesel ist weg, ein sehr viel kleinerer Leaf ist da und vom Verbrauch her (ohne Versicherung, Steuer etc.) kalkuliere ich über den Daumen ein Verhältnis 1:4.

    Und die Ruhe beim Fahren – die ist mir den Aufpreis wert!

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