Reichweite von Elektroautos im Praxistest

AMSWette-Teilnehmer

Einerseits gibt es für Elektroautos die Herstellerangaben nach NEFZ mit erstaunlich hohen Gesamtreichweiten, andererseits immer wieder Tests in Autozeitschriften, die nur sehr niedrige Werte für eine Akkuladung ermitteln. Bei der #AMSWette in Hilden bei Düsseldorf wurden mit 39 Fahrzeugen dem nun endlich einmal repräsentative Erfahrungen aus der Praxis gegenübergestellt. Hier die Zusammenfassung des Praxistests und der Ergebnisse. Für Eilige: Direktlink zum Ergebnis

Wie hoch ist die tatsächliche Reichweite von Elektroautos in der Praxis?

Ladepark Hilden bei Ihr Bäcker SchürenMit dieser Fragestellung gingen am 23.08.2014 insgesamt 39 E-Autos am Ladepark Hilden bei „Ihr Bäcker Schüren“ an den Start. Auslöser war ein groß aufgemachter Testbericht in der „Auto Motor und Sport“ (AMS) im Juli 2014, der in der Szene der aktiven Elektromobilisten, und hier insbesondere im Verein des TFF-Forum „Tesla Fahrer und Freunde (TFF) e.V.“, für ein intensives Kopfschütteln sorgte. Ein von der AMS mit dem TÜV Süd neu aufgebauter sogenannter Härtetest für Elektroautos ergab extrem niedrige Werte bei der Reichweite. AMS-2014-16(Der Artikel „E-Autos im Härtetest“ ist seit 27.09.2014 online bei der AMS abrufbar). Aus persönlichen Rückfragen einzelner Forenteilnehmer ließ sich erkennen, dass anscheinend nur ein kleiner Anteil einer völlig ebenen Strecke tatsächlich gefahren wurde (31 km), um dann das Auto wieder voll aufzuladen. Mutmaßlich parallel zu der kurzen Fahrt wurde der Innenraum von 30°C Außentemperatur auf 20°C heruntergekühlt. Beide Parameter wurden dann zum Ergebnis linear hochgerechnet. Genauere Angaben zu den Testparametern wurden auch auf Nachfragen bisher nicht nachvollziehbar gemacht. Eine Zusammenfassung hat ein Mitglied des TTF-Forums über 13 gefundene Zitate aus Kommentaren der AMS versucht. Daraus ergibt sich dieses Bild:

– Vor Fahrtantritt wurde das Auto von 30 auf 20 Grad heruntergekühlt (Wie lange? 1h?).
– Dann wurden 31 km gefahren.
– Es wurden 14,26 kWh nachgeladen und daraus der Verbrauch von 46 kWh/100km hochgerechnet.
– Die Ladung erfolgte per Schuko mit (geschätzt) 10A, also mit 2,3 kW und dauerte deshalb ca. 6 – 7 Stunden. Dazu kommt noch das Balancing, falls auf 100% geladen wurde.
– Die theoretische Reichweite wurde errechnet unter der Annahme(!!!), dass eine Vollladung mit Ladeverlusten 85 kWh ab Stromzähler benötigt: 85/46 * 100 km = 184 km!

Im Einzelnen wurden sechs Elektroautos betrachtet, davon der Renault Twizy, der als Quad überhaupt nicht für die getesteten Geschwindigkeiten ausgelegt ist. Insbesondere den Werten des Tesla Model S mit dann nur angeblichen 184 km Reichweite im Sommer bei 120 km/h, aber auch kleineren Autos wie der Nissan Leaf mit vermeintlich nur 71 km Reichweite, stehen ganz andere persönliche Erfahrungen entgegen.

Test-Anordnung

Quelle: TTF-Forum endurance

In der AMS wurde die Reichweite von sechs Elektro-Serienfahrzeugen für eine Geschwindigkeit von 120 km/h ermittelt. Dies sollte in der Praxis nachgestellt werden. Vom Ladepark Hilden ging es zur nur 3,5 km entfernten Autobahn A3 und dann nach Norden über die A2 und A31 Richtung Nordsee. Dabei sollte möglichst konstant mit (Tempomat) 120 km/h gefahren werden, soweit es der ruhige Samstagsverkehr ermöglichte. Die wenigen langsameren Teilstücke durch Baustellen oder Geschwindigkeitsbegrenzungen sollten nicht durch höhere Geschwindigkeiten ausgeglichen werden, so wie man auch in der Praxis üblicherweise fährt. Kurz vor 50% Restkapazität des Akkus wurde gedreht und die selbe Strecke zurückgefahren mit dem Ziel, möglichst dicht an 0 km Restreichweite wieder am Ladepark Hilden anzukommen. Abfahrtszeit und Kilometerstand wurden unter Aufsicht notiert, die Rückkehrzeit, Endkilometerstand und Restreichweite, bevor es dann wieder an die Ladesäule ging, um in Stichproben auch noch die Auflademenge bis zum erneut vollen Akku zu ermitteln.

AMSWette-Teilnehmer (Quelle: ruhrmobil-E)

Quelle: ruhrmobil-E

Abweichend von den AMS-Bedingungen fuhr eine weitere Testgruppe mit Tempo 90 km/h, zusätzlich einige weitere nicht im AMS-Test erwähnte Elektroautos, und außerdem vier Tesla Model S mit dem Versuch, die Reichweiten-NEFZ-Angaben des Herstellers möglichst zu überbieten. Soweit möglich waren in jeder Testgruppe mehrere Fahrzeuge desselben Typs unterwegs, um die Ergebnisse auf eine breitere Basis stellen zu können. Die Elektroautos kamen zum großen Teil aus Privatbesitz, in Einzelfällen aus einem CarSharing-Verbund und zusätzlich als Vorführwagen direkt von lokalen Autohändlern. Die Temperaturen am 23.08. waren um 20°C teilweise bewölkt, während der Testfahrten mit kürzeren Regenabschnitten.

Durchführung

IMG_20140823_132341Ein beruflich in ähnlichen Themen sehr erfahrener „Notierer“ hat detailliert und nachvollziehbar die Anmeldungen der Fahrzeuge erfasst, den Start einzeln freigegeben, die Rückkehr überwacht, Zählerstände an den Ladesäulen abgelesen und die Ergebnisse ermittelt. Mit Hilfe der verteilten Startnummern wurde strukturiert Buch geführt und kontrolliert.

Quelle: TTF-Forum

Zur Überwachung der Fahrtrouten waren die Teilnehmer gehalten, über ein Smartphone mit GPS und der App „Glympse“ sich online in die Fahrergruppe einzuloggen. Damit konnte die Position jedes Fahrzeuges ständig überwacht werden sowie die jeweiligen aktuellen Geschwindigkeiten abgelesen werden. Gleichzeitig war die Karte im Web auch für Nichtteilnehmer abrufbar. Zusätzlich sollte mit einem Wendefoto dokumentiert werden, bis wohin die Fahrt tatsächlich geführt hat. Begleitet durch einen eigenen Twitter-Hashtag #AMSWette, einen Faden im TFF-Blog und der Live-Berichterstattung hier im Blog wurden weitere Informationen an alle Interessierten übermittelt.

Ergebnis #AMSWette

Warum Wette? Schnell nach der AMS-Veröffentlichung hat der überzeugte Tesla-Fahrer und Zukunftsforscher Lars Thomsen dem Redakteur des Artikels Alexander Bloch eine Wette angeboten: eine gemeinsame Testfahrt im Tesla Model S, um zu beweisen, dass die Werte der AMS falsch sind. Einsatz von Lars Thomsen: das von ihm bereits bestellte Tesla Model X. Zuerst von Alexander Bloch noch angenommen kam schnell wegen Compliance-Richtlinien der AMS der Rückzug. Darauf hin wurde die beschriebene alternative Veranstaltung geplant, die zu diesem zusammengefassten Ergebnis führte:

Modell NEFZ km AMS 120 km/h Praxis 120 km/h (Anz. Autos) AMS Landstraße Praxis 90 km/h (Anz. Autos)
BMW i3 160 78 128 (1) 106 167 (3)
Nissan Leaf 199 71 118 (1) 110 158 (1)
Renault ZOE 210 119 (3) 160 (3)
smart ed 145 50 94 (1) 56 132 (1)
Tesla Model S P85 502 184 363 (4) 228 535 (4)
Tesla Roadster unbek. 309 (2) 374 (1)
VW e-Golf 190 88 113 (1) 126 174 (1)

Weitere 12 Fahrzeuge anderer Marken oder Geschwindigkeiten im Testfeld. Die Details kann jeder für sich selbst interpretieren, aber die deutliche Abweichung des AMS-Tests zur Realität ist erschreckend. Sollen doch angeblich Fachleute des TÜV Süd gemeinsam mit der „Auto Motor und Sport“ diesen Härtetest erdacht haben.

Weitere Daten von Teilnehmerfahrzeugen anderer Marken
Modell NEFZ km Praxis 120 km/h (Anz. Autos) Praxis 90 km/h (Anz. Autos)
Mitsubishi i-MiEV 150 110 (1)
Peugeot iOn 150 116 (1)
Peugeot 106 Bj. 96 (neuer Akkusatz) 151 (1)
Renault Fluence ZE 185 139 (1)
Monotracer (Motorrad) unbek. 206 (1)

 

Zusätzliche Tesla-Sondertests
Modell Tempomat km/h Praxisreichw. (Anz. Autos)
Tesla Model S 85 140 319 (4)
Tesla Model S 85 160 282 (1)
Tesla Model S 60 120 280 (1)
Tesla Roadster 140 270 (1)

 

Einzelergebnisse Reichweitenfahrer (Tempomat 90 km/h)

Langstreckensieger_IMG_20140823_175928

Name (Nick) Fahrzeug Gefahrene Strecke Rest- Reichweite Durchschnitts- geschwindigkeit *
Michael Manger (tubist88) Tesla Mod. S 85 558,8 km 10 km 71 km/h
Nils Jünger (nils) Tesla Mod. S 85 530,9 km 0 km 73,2 km/h
Eberhard Mayer (eberhard) Tesla Mod. S P85+ 514,9 km 0 km 82,2 km/h
Klaus Kuttig (Klaus1958) Tesla Mod. S 85 501 km 23 km 75 km/h

* Die Durchschnittsgeschwindigkeit wurde Brutto zwischen Abfahrt- und Ankunftzeit ermittelt. Standzeiten für Pausen und Fotos wurden nicht herausgerechnet. Die tatsächliche Durchschnittsgeschwindigkeit war somit etwas höher.

Grafisch visualisiert

Abhängigkeit von Geschwindigkeit und Verbrauch beim Tesla Model S

Quelle: Ralf Wagner, elweb.info

Quelle: Ralf Wagner, elweb.info

Verteilung nach Geschwindigkeit und Modell

Quelle: Ralf Wagner, elweb.info

Quelle: Ralf Wagner, elweb.info

Zahlen und Zitate des Tages

  • Um 14.45 Uhr waren alle Ladeplätze vor Ort von vielen 3-phasig ladenden Fahrzeugen belegt. Dies führte zu einer Auslastung von rund 265 kWp.
  • Gesamt wurden an dem Tag rund 1.500 kWh in die über 70 anwesenden E-Autos geladen (Challenge-Teilnehmer + Gäste).
  • „Echt Klasse! Die positive Stimmung und das sehr nette, freundliche und hilfsbereite Miteinander aller anwesenden E-Mobilisten.“
  • „Es war ein sehr gutes Event, alles da vom Twizy bis zum Model S, eine lockerer Ton, ein fröhliche Runde. Es haben alle ein einem Strang gezogen, von Neid keine Spur, so soll es sein. Ein sehr dickes Lob an das Team von Bäcker Schüren, ihr habt einen super Job gemacht, die Bewirtung war
    hervorragend und das essen super lecker.“
  • Für mich wurde in Hilden ein Meilenstein in Richtung Elektromobilität gesetzt.“
  • Kann sich eigentlich jemand daran erinnern, welche Ruhe in Hilden herrschte, wie gut die Luft war, obwohl dort ständig Autos herum fuhren, etwa die Hälfte in einer Leistungsklasse, die 12-20 Liter Spritverbrauch bedeuten würde?
  • Ich kann mich jedenfalls gut daran erinnern, als einer der Bäckerladenkunden losfuhr (mit dem Verbrenner) und jemand trocken sagte: „Bei dem ist was kaputt, der macht so komische Geräusche!“

Rückblick zur Veranstaltung

Höhepunkt des Tages waren sicher die Berichte, die es bis ins Fernsehen geschafft haben.

TV:
Radio:
Printmedien:
Blogs:
Andere Online-Beiträge

Nach der Veranstaltung

Die Veranstaltung wird seit 26.08. in einigen weiteren Medien aufgegriffen, die nun von der Auseinandersetzung zwischen „auto motor und sport“ und den Elektroauto-Fahrern berichten. Die aktuellen Entwicklungen dazu gibt es in einem eigenen Beitrag hier : #amsgate – Eine Chronik

 

Kommentare (plattformübergreifend)

Das Brot des Künstlers ist der Applaus, das Brot des Bloggers ist (D)ein Kommentar. Und...? Wie war dieser Artikel?

 

18 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: electrive.net » Volvo, Tesla, Audi, VW, Reichweiten-Praxistest.

  2. Ein inhaltlich überzeugender Artikel, der endlich mal den Lobbyisten von AMS (Audi Muss Siegen) und AB (AutoBlöd) entgegenarbeitet. Ich hoffe, dass dieser Bericht ein Anfang ist, und diese gut „geölten“ (oder war es Schmier-Fett?) Fachschmunzetten in ihre inhaltlichen Schranken verweist.
    Ebenso zur Aufklärung, wie Meinung gemacht wird, beiträgt.
    Wären diese Lobbyisten nicht des Durchschnittmichels liebste Info-Quelle, dann wären wir in D technologisch garantiert weiter und im Markt mit den entsprechenden Modellen präsenter. So lange noch im Testspiegel dieser Zeitschriften jeder Diesel/Benzin – Pkw gegen einen Stromer „gewinnen muss“, um diese veraltete Technologie eines „Explosionskolbenmotors“ weiter den Lesern und Käufern dieser Produkte schmackhaft zu machen, wird es schwer, neue, bessere Technologien zu etablieren. Sich der Abhängigkeit vom Öl zu entziehen. Ebenso wird mit solchen „Test´s“, wie zB in der AMS Elektromobilität und bestehende Produktvielfalt (Renault/Nissan/Mitsubishi/Citroen / Peugeot/Opel/GM etc) seit Jahren und mit Erfolg vom deutschen Markt ferngehalten.
    Jedoch werden vAuweh & Co damit neue Interessenten/Kunden ihrer technologisch rückständigen Produktpalette zugeführt.
    Wie deren Kassen klingeln, ist ja bekannt. Wie eine Marke entsteht und hochgehalten wird ebenso: Jeder Leser/Besitzer ist ja lieber ein Gewinner als Verlierer. – Sein Produkt ein Verlierer? Das ist nicht gut für´s eigene Image! – Sein Produkt wird also zum Gewinner gemacht. (Ich bin, was ich habe) Siehe Audi, Golf und Co. Siehe AMS und Co, Siehe …. Ich rege mich nicht auf, ich mich nicht. 😉
    Also bitte so weitermachen! Endlich Objektivität in der Berichterstattung und inhaltliche Korrektur etablierter Schreiberlinge.
    Pro E-Mobilität.

    MfG W.Schäfers

    • Klasse Test und super gemacht – ich bin begeistert!!!

      Speziell der Monotracer scheint mir der unangefochtene Effizienzkönig zu sein. Zwei Personen schneller und günstiger zu transportieren als der Rest der Welt, trotz Zweirad und auch bei Regen. Er ist das komplette Gegenteil der verhängnisvollen Entwicklung hin zu immer mehr aerodynamisch sehr nachteiligen, großen, schweren, durstigen SUVs. SUVs sind Fahrzeuge die (fast) niemand braucht.

  3. Vielen Dank für die super aufwendigen realen Ergebnisse. Ein absolutes Highlight in diesem Jahr.
    Mich persönlich würden noch die Einstellungen der großen Nebenverbraucher wie Klimaanlage interessieren. Weiterhin würde mich interessieren ob es etwas interessantes auf der Netzseite zu beobachten gab als so viele Elektrofahrzeuge geladen wurden.
    Liebe Grüße aus Aachen,
    Olaf Elsen

    • E-Auto.TV

      Es sollte der Alltag simuliert werden, sprich eine Klimaautomatik bei Bedarf ganz normal laufen. Die Temperaturen von knapp 20°C bei bewölktem Himmel waren allerdings so, dass hier vermutlich nur sehr wenig zusätzlicher Verbrauch generiert wurde.

      Zur technischen Ausstattung am Ladepark Hilden bei „Ihr Bäcker Schüren“ ein Zitat von dort: „Wir haben 14xTyp 2, 22kW, 14xSchuko, 1xCEE 63A, 2xCEE 32A etc. und für den Event je eine mobile CSS und CHAdeMO DC-Schnellladestation. – Es gibt einen Mittelspannungstrafo und 155 kW Peak von oben…“. Die größte Leistung der Photovoltaik lag an diesem Tag wohl bei 109 kWp. Ausfälle der Ladeinfrastruktur haben wir als Teilnehmer nicht bemerkt (vom Reboot einer Ladesäule mal abgesehen).

  4. E-Auto.TV

    Pressemeldung vom 26.8. 18 Uhr 30 der Redaktion der Zeitschrift auto motor und sport

    „auto motor und sport unterstreicht harte Testmethoden von Elektroautos Redaktion bietet Nachtest an – Kritik an heute journal und WDR – Tesla stellt Redaktion keine Testwagen mehr zur Verfügung Stuttgart.

    Die Zeitschrift auto motor und sport hat ihre anerkannt harten und objektiven Testmethoden gegen Kritik privater Autotester verteidigt. „Unsere Tests erfolgen nach festgelegten Standards. Sie gelten für alle Autos, um Autofahrern eine echte Vergleichbarkeit zu liefern. Deshalb sind auto motor und sport-Tests nicht mit Testergebnissen privater Autofahrer auf einer Autobahn zu vergleichen“, sagt Alexander Bloch, Chefreporter Technik bei auto motor und sport.

    Damit reagiert die Zeitschrift auf die Kritik des Vereins „Tesla Fahrer und Freunde“ und entsprechenden Berichten des heute journals und des WDR. Der Verein hatte auto motor und sport angegriffen, weil in einem Härtetest von sechs Elektroautos unter Extrembedingungen, der in Kooperation mit dem TÜV Süd durchgeführt wurde, der Tesla-Testwagen angeblich zu niedrige Reichweiten erzielt habe. In der Realität seien die Reichweiten viel größer, was der Verein am vergangenen Sonntag in einem privaten Vergleichstest in Hilden in Nordrhein-Westfalen bewiesen haben will.

    „Wir haben die Elektroautos bei Frost und bei Hitze von plus 30 Grad getestet“, erklärt Bloch. Auf der seit Jahrzehnten genutzten ams-Teststrecke, dem zertifizierten Bosch-Prüfzentrum Boxberg in Baden-Württemberg, absolvierten alle Elektroautos unter anderem bei 30 Grad einen Verbrauchs- und Reichweitentest bei konstant 120 km/h. So fuhren die Autos bei dieser Hitze mit eingeschalteter Klimaanlage und weiteren Stromverbrauchern, was bekanntermaßen die Reichweite stark reduziert. Zudem erfolgte ein weiterer temperaturkontrollierter Labortest beim TÜV Süd bei minus sieben Grad, was ebenfalls die Batterieleistung belastet. „Solche Bedingungen gibt es in jedem Winter und jedem Sommer, so dass die Leser von auto motor und sport wissen wollen, wie sich die Autos bei solchen Bedingungen verhalten“, so Bloch. „Es ist klar, dass die Reichweiten bei Frost und Hitze deutlich unter denen liegen, die private Autofahrer bei 20 Grad auf einer Autobahn erreichen“, erklärt Bloch. Solche Härtetests seien aber sinnvoll, weil Fahrer von Elektroautos auch bei Schnee und Hitze ihr Ziel noch erreichen wollen, und nicht nur bei optimalen Bedingungen.

    Kein Verständnis hat Chefredakteur Jens Katemann, dass die Kollegen von heute journal und der WDR-Lokalzeit über die Kritik berichtet haben, ohne auto motor und sport zu den Vorwürfen zu hören. „Es gehört zu den journalistischen Gepflogenheiten, in solch einem Fall den Betroffenen um Stellungnahme zu bitten“, so Katemann. Der Chefredakteur lädt die Kollegen ein, bei einem Autotest der Redaktion dabei zu sein, und sich selbst ein Bild der hohen Testkompetenz zu machen. auto motor und sport hat dem Verein „Tesla Fahrer und Freunde“ zudem angeboten, den Test in Boxberg zu wiederholen. Eine Antwort steht noch aus.

    Tesla ist auf das Angebot zur Wiederholung des Tests bislang nicht eingegangen. Im Gegenteil hat Tesla angekündigt, der Redaktion bis auf weiteres keine Testwagen mehr zur Verfügung zu stellen. „Wenn Tesla damit Druck auf auto motor und sport ausüben will, um Testergebnisse zu beeinflussen, so werden wir diesem nicht nachgeben“, betont Chefredakteur Katemann. „Wir werden weiterhin Autos nach zuvor festgelegten Standards mit unserem Partner, dem TÜV Süd, auf Herz und Nieren testen. Wir geben weder dem Druck von Herstellern, noch von Autofans nach, die offenbar nicht tolerieren können, wenn ihr Auto in einem Test Schwächen zeigt“, so Katemann.“

    Link zur Original-Meldung bei AMS

    • E-Auto.TV

      So hat übrigens die AMS am 25.08. um 17.31 Uhr über Facebook reagiert:

      „Der auto motor und sport Elektroautotest aus Heft 17/2014 trägt die Überschrift Härtetest. Das heißt bei diesem Test wurde bei Elektroautos unter besonders erschwerten Umweltbedingungen (Temperatur, Tempo, Topographie etc.) der Verbrauch und damit die Reichweite gemessen. Diese Situationen können real auftreten, sind aber nicht alltäglich. Daher erreichen Elektroautos im Schnitt niedrigere Verbräuche und höhere Reichweiten. Bei Elektroautos sind die Umweltbedingungen und die Fahrstrecke jedoch extrem entscheidend für den Verbrauch und damit die mögliche Reichweite des Autos. Die Schwankungsbreite der Ergebnisse ist bei sauberer Umsetzung entsprechend groß. Nur unter möglichst identischen Bedingungen lassen sich wirklich vergleichbare Verbräuche ermitteln. Identische Bedingungen heisst: Gleiche Fahrer, gleiches Temperatur/Wetter, gleiches Geschwindigkeitsprofil und gleiche Strecke. Daher sind die Ergebnisse eines privat organisierten Reichweiten-Test (vom 23.8.2014) nur bedingt mit denen von auto motor und sport vergleichbar. auto motor und sport hält die Ergebnisse des privaten Reichweiten-Test aber unter den gegebenen Bedingungen für möglich. Wenn ein Vergleich stattfindet, dann sollte er zumindest auf der gleichen Basis stattfinden und diese vernachlässigt die Auswertung des privaten Reichweitetest unzulässig (erste, obere Tabelle). In der Auswertung wird zum Beispiel der Eindruck erweckt, als hätte auto motor und sport mit dem Tesla Model S insgesamt nur eine Reichweite von 184 km erreicht. auto motor und sport hat inzwischen aber in drei Tests sieben verschiedene Reichweiten basierend auf unterschiedlichen Bedingungen ermittelt. Diese reichen bis 444 km und müssen fair verglichen werden (zweite untere Tabelle).

      Ganz konkret zum besonders diskutierten 120 km/h-Test bei 30° Celsius:
      Die von auto motor und sport ermittelten 120 km/h-Verbräuche aller Testautos wurden unter Härtetest-Bedingungen bei hochsommerlich, schwülen Temperaturen (ca. 30 Grad), mit eingeschalteter Klimaautomatik (20 Grad) sowie Fahrlicht auf dem Prüfgelände in Boxberg mit Ladeverlusten auf einer Strecke von 31 km ermittelt. Bei niedrigeren Temperaturen und höherem Windschatten-, sowie Rekuperationsanteil kann der Verbrauch aller getesteten Autos je nach Autobahn problemlos um 25 Prozent höher liegen. Die dann aus dem Vollladehub (ebenfalls mit Ladeverlusten) errechneten Reichweiten entsprechend höher. Beim Tesla Model S – mit 184 kWh/100 km bei konstant 120 km/h und 37,3 kWh auf der bergigen Landstraßenfahrt – wurden die extrem (wenn nicht erschreckend) hohen Ladeverluste bei dieses Mal einphasiger Ladung mit 230 Volt, nicht in vollem Umfang in der Berechnung der Reichweite berücksichtigt. Daher ergeben sich für den Autobahn- sowie Landstraßenverbrauch nochmal um rund 10-12 Prozent höhere Reichweiten für das Model S als angegeben. Der Verbrauch bleibt gleich. Die errechneten neuen Reichweiten sind schon in die Tabelle integriert.“

      Link zum Facebook-Beitrag (mit weiteren spannenden Details in den Reaktionen, leider seit 26.08./23:15 Uhr nicht mehr erreichbar)

      Dann stattdessen eben als Nachweis ein Bildschirmfoto vom Text:

      Facebook-AMS-Kommentar vom 25.08.2014

      In der Zeitschrift 16/2014 ist hingegen überall nur 23°C (statt 30°C) zu lesen.

    • E-Auto.TV

      Die Redaktion der AMS hat in einem E-Mail-Austausch kommuniziert, dass der 120 km/h-Test auf dem Boxberg-Ring bei angeblichen 30°C stattgefunden hat und die Autos dabei auf 20°C runtergekühlt wurden. Davon steht im Original-Artikel aber tatsächlich nichts. Die 23°C beziehen sich wohl ausschließlich auf den Rollenprüfstand beim TÜV Süd. Wir versuchen hier weiter eine eindeutige Klärung herbeizuführen.

  5. Pingback: #AMSgate – eine Chronik | E-Auto.TV

  6. hallo,
    gieb es auch eine aktuelleren Vergleich

    z.B.
    Kia soul ev 212 km Reichweite
    Nissan Leaf 30kwh 250 km Reichweite
    Renault Kongoo ZE 170 km Reichweite ?
    Renault Kangoo ZE 2016/17 (30kw/h) 250 km Reichweite ? oder ein witz

    mfg

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  1. […] Es scheint, als müsste sich die “auto motor und sport” nun endlich mal erklären. e-auto.tv (Bericht), tff-forum.de (Ergebnisse), zdf.de (Video), wdr.de (Video), ttf-foum.de […]

  2. […] Einladung an die Redaktion der “auto motor und sport”. Mehr Details zu diesem Tag im Nachbericht hier im Blog sowie im Live-Ticker des […]